Firmen sparen an der Weiterbildung. Über 40-Jährige werden früher ausrangiert, weil Jüngere den besseren Bildungsrucksack mitbringen. Wie schlimm ist es wirklich?

Die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zur beruflichen Weiterbildung älterer Arbeitnehmender lassen aufhorchen. Demnach haben «praktisch alle Unternehmen, welche berufliche Weiterbildungsangebote unterstützen, ungeachtet ihrer Grösse angegeben, ihr Weiterbildungsangebot eingeschränkt zu haben».

Alternativstrategie zur Weiterbildung sei es, «Personal mit den benötigten Qualifikationen einzustellen». Im Klartext: Über Vierzigjährige werden ausrangiert und durch jüngere Arbeitnehmende ersetzt, die über die entsprechende Qualifikation verfügten. Das kommt die Firmen günstiger als wenn sie in echte Weiterbildung investieren müssen.

Arbeitslos mit 45?

Travailsuisse befürchtet, dass ältere Arbeitnehmer dadurch in eine sogenannte Dequalifikation abrutschen und gar zu «Langzeitarbeitslosen und Sozialhilfeempfängern» würden, wie der Tages-Anzeiger schreibt.

Streitpunkt sind vor allem die nicht formalen Weiterbildungskosten, also eine Zusatzausbildung an Unis, Fachhochschulen oder vergleichbaren Stätten – etwas, was im Lebenslauf vermerkt werden und die Berufschancen klar verbessern kann.

Halbwertszeit der Ausbildung

«Das ist in der Tat ein grosses Thema», bestätigt Dr. Christoph Negri, Leiter des Studienganges Ausbildungsmanagement am Institut für angewandte Psychologie (IAP) in Zürich. 40 ist das neue 50, denn: «Heute gilt man ab 40 oder 45 schon als älterer Arbeitnehmer.» Bei der Stellensuche spiele diese Altersgrenze eine Rolle und drücke sich in der entsprechenden Selektion der Bewerber aus.

Die Bundesverwaltung oder die UBS hätten als eine der wenigen diesen Trend erkannt und böten routinemässig Standortbestimmungen mit anschliessendem Entwicklungsplan an. Dennoch sei die Sensibilisierung sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wirtschaft noch viel zu gering. Der ältere Mitarbeitende bringe sehr viel Erfahrung mit, sei aber auch anforderungsreicher zu führen als jemand, dessen Ausbildungsabschluss nur wenige Jahre zurückliegt. Das könnte auch einer der Gründe sein, warum manche Arbeitnehmer jüngere Angestellte bevorzugten.

Weniger ausgabefreudig

Dass die Wirtschaft in Sachen Weiterbildung zurückhaltender ist, kann Negri bestätigen. Das sei seit der Finanzkrise so. «Aber auch die Arbeitnehmer sind zurückhaltender.» Manchen sei die finanzielle Belastung und der Zeitaufwand, die eine Weiterbildung mit sich bringe, zu gross.

Es gebe durchaus Menschen, die den Nutzenfaktor über den Kostenfaktor stellten und eine Weiterbildung wagten. «Das Durchschnittsalter unserer CAS und MAS-Weiterbildungen beträgt 43 Jahre, also ein Altersspektrum zwischen 30 und 55 Jahren», erklärt Negri.

Kader werden gefördert

Doch nicht alle sind von weniger Weiterbildung betroffen. Kader und gut Ausgebildete werden stärker gefördert. «Geschäftsleitungsmitglieder sind im Schnitt immer besser ausgebildet», erklärt Guido Schilling, Headhunter für Topkader in Zürich. In den letzten zehn Jahren habe sich die Zahl an Führungskräften mit einer substanziellen Weiterbildung (MBA/MAS) von 36 Prozent auf 44 Prozent gesteigert. Dies zeige der Schilling Report über die Zusammensetzung der Geschäftsleitungen der Top 100 Arbeitgeber in der Schweiz.

«Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklungen führt zu kürzeren Anstellungsverhältnissen», erklärt Guido Schilling. Auch ältere Arbeitnehmer ohne Kaderfunktion täten also gut daran, sich durch berufliche Weiterbildung auf dem Stand der neusten Entwicklungen zu halten, um arbeitsmarktfähig zu bleiben.

Quelle: 20min.ch von Claudia Landolt
Bild: Keystone/Christian Beutler